Finanzwirtschaft

Die Finanzwirtschaft ist Teil des wirtschaftlichen Geschäftsprozesses und gliedert sich in Investition, Finanzierung und Risikomanagement. Sie beschäftigt sich mit der finanziellen Dimension eines Unternehmens, insbesondere auf welche Art und Weise ein Unternehmen Geldkapital beschafft und für welche Zwecke es diese Mittel einsetzt. Die Beschaffung von Geldkapital wird dabei als Finanzierung bezeichnet, während die Mittelverwendung für langfristige Zwecke eine Investition darstellt. Dieser Bereich der Betriebswirtschaftslehre beschäftigt sich mit der Beschaffung von Kapitalressourcen für Geschäftsprozesse und Projekte sowie deren Bewertung bzw. der Bewertung von ganzen Unternehmen. Dies beinhaltet die Bewertung von Eigenkapital und Fremdkapital sowie deren Mischformen, aber auch die Beantwortung der Frage, warum bestimmte Instrumente zur Finanzierung eingesetzt werden.

Wichtige Meilensteine in der Entwicklung der neoliberalen Finanzwirtschaft sind die Portfoliotheorie, das Capital Asset Pricing Model und die Optionspreistheorie, woraus sich der heute bedeutende Bereich des Risikomanagements entwickelt hat. Die Deutsche Gesellschaft für Finanzwirtschaft ist im deutschsprachigen Raum die zentrale wissenschaftliche Gesellschaft auf dem Gebiet der Finanzwirtschaft. Durch diese Entwicklung wurde die im Wesentlichen auf Kostenführerschaft abzielende Produktionstheorie zurückgedrängt, die im Wesentlichen darauf abzielte, mittels ingenieurmäßiger Weiterentwicklung des Produktionsprozesses die Rendite zu erhöhen.

Traditionelle Sichtweise
Die traditionelle Sichtweise betrachtet die finanzwirtschaftlichen Prozesse lediglich als Hilfsfunktion: Für ein vorgegebenes Produktions- und Absatzprogramm sind bestimmte Produktionskapazitäten notwendig, die gegebenenfalls durch Investitionen aufgebaut werden müssen. Der Kapitalbedarf, der durch die Finanzierung der Investitionen entsteht, kann durch unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten gedeckt werden. Die Finanzwirtschaft hat daher primär die Aufgabe, geeignete Finanzierungsmöglichkeiten zur Sicherung eines finanziellen Gleichgewichts auszuwählen. Ein finanzielles Gleichgewicht bedingt die Zahlungsfähigkeit und die Schuldendeckungsfähigkeit eines Unternehmens zu jedem Zeitpunkt.

Moderne Sichtweise
In der modernen Sichtweise werden alle betriebswirtschaftlichen Entscheidungen vor dem Hintergrund finanzieller Ziele bewertet. Produktion und Absatz haben nur aufgrund des durch sie bedingten Geldzu- bzw. Geldabflusses unternehmerische Bedeutung. Die Unternehmen verfolgen ausschließlich finanzwirtschaftliche Ziele und nutzen dabei keineswegs nur die innerbetrieblichen Anlagemöglichkeiten. Dadurch werden betriebliche Investitionen unterlassen, sobald es bessere externe Anlagemöglichkeiten gibt, die eine höhere Kapitalrendite erwarten lassen.

Die Finanzwirtschaft stellt üblicherweise nur eine untergeordnete Funktion für das reibungslose Funktionieren der Vorgänge in der Realwirtschaft dar. Zeitliche Abschnitte in der zyklischen Wirtschaftsentwicklung, in denen die Finanzwirtschaft die Vorgänge in der Realwirtschaft dominiert und in denen mit Geldtransferleistungen sehr viel höhere Erträge zu erzielen sind als durch die Produktion und den Handel von realen Gütern oder durch die Bereitstellung und Nutzung von Dienstleistungen, können Vorbote von nachfolgenden Wirtschaftskrisen sein, in denen die entstandenen monetären und ökonomischen Fehlentwicklungen korrigiert werden, die die Ursache der Dominanz der Finanzwirtschaft waren.


Quelle : Wikipedia