Traktor

Ein Traktor, Ackerschlepper oder auch nur Schlepper ist eine Zugmaschine, die in erster Linie in der Landwirtschaft zum Zug, aber auch zum Antrieb landwirtschaftlicher Maschinen benutzt wird. Traktoren werden außerhalb der Landwirtschaft in der Forstwirtschaft, bei Kommunalbetrieben, im Gartenbau, auf Flughäfen und im Bauwesen (Straßenbau, Erdbewegung, Garten- und Landschaftsbau) verwendet. In Nord- und Mitteldeutschland werden Traktoren auch mit dem Begriff Trecker bezeichnet, der aus dem plattdeutschen Wort trecken („ziehen“) abgeleitet ist. Im süddeutschen Raum werden als Synonym zu Traktor zuweilen auch die Begriff Bulldog oder Schlepper verwendet. In Österreich und Deutschland lautet die amtliche verkehrsrechtliche Bezeichnung für einen Traktor Zugmaschine.

Recht bald nach Erfindung der Dampfmaschine gegen Ende des 18. Jahrhunderts versuchte man, den bislang allein vorherrschenden Zug der Ackergeräte mittels Zugtier durch die neue Kraftmaschine zu ersetzen. In der Mitte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte sich dann die Verwendung selbstfahrender Lokomobile, also Dampftraktoren, zum unmittelbaren Zug von landwirtschaftlichen Geräten. Aufgrund des hohen Gewichts einer Lokomobile im Vergleich zur Antriebsleistung eigneten sich diese aber nur auf besonders tragfähigen Böden wie denjenigen der amerikanischen Prärie, nicht jedoch auf den verbreitet tiefgründigeren und weniger tragfähigen Ackerböden Europas. Abhilfe bot insoweit eine Erfindung des Engländers Heathcote, der indirekte Zug der Ackergeräte mittels Seilzug von am Feldrand stehenden Lokomobilen, den sogenannten Pfluglokomotiven. Namhafte Hersteller von Dampftraktoren waren beispielsweise Marshall, Mc Laren, Fowler oder Burell in Großbritannien sowie Wolf, Kemna oder Lanz in Deutschland.

Mit Etablierung des Verbrennungsmotors ab etwa der Wende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert wurden alsbald auch Schlepper mit diesen ausgerüstet, sie unterschieden sich aber in Konstruktion, Aussehen und Abmessungen (Leistungsgewichte um 100-120 kg/PS) noch nicht wesentlich von den Dampftraktoren und waren daher auch nur unter ähnlichen Bedingungen einsetzbar. 1892 erfand der deutschstämmige US-Amerikaner John Froehlich einen Traktor mit Verbrennungsmotor. Als typische Beispiele können der Marshall Colonial Tractor der Firma Marshall & Co, Gainsborough, Vereinigtes Königreich, oder der Rumely Oil Pull von Advance-Rumely, La Porte, Indiana, USA, genannt werden.

Einen Entwicklungssprung weg von den schweren und kapitalintensiven Dampftraktoren bot der 1917 von Ford vorgestellte Fordson Typ F mit Vierzylinder-Ottomotor, bei dem erstmals die auch heute noch im Schlepperbau weit verbreitete rahmenlose Blockbauweise zur Anwendung kam. Der rund 20 PS starke Fordson mit seinem niedrigen Leistungsgewicht von 62 kg/PS erlaubte auch den Einsatz auf wenig tragfähigen Böden; rationelle Massenfertigung ermöglichte einen sehr günstigen Preis. Der Fordson bewirkte vor allem in der Landwirtschaft auf den britischen Inseln in kurzer Zeit einen Motorisierungsschub, dort waren bis 1920 bereits rund 100.000 Fordson im Einsatz.

Eine vergleichbare Entwicklung trat in Deutschland erst ab Mitte der 1920er Jahre insbesondere mit dem in seinem ersten Modell bereits 1921 erschienen Lanz Bulldog ein, dessen im Vergleich zum Ottomotor ohnehin sparsamerer Glühkopfmotor die Verwendung des in Deutschland erheblich billigeren Rohöls erlaubte. Diese sehr bekannte Konstruktion wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg gefertigt und diente als Vorbild für viele Nachbauten weltweit. Lanz Bulldog erzielen heute Liebhaberpreise und sind wohl bei jedem Treffen historischer Traktoren zu finden. In verschiedenen Gegenden Deutschlands entwickelte sich der Name Bulldog umgangssprachlich gar zum Synonym für den Begriff Traktor. Das Lanz-Werk in Mannheim wurde 1956 von John Deere übernommen und gilt heute als größte Traktorenfabrik Europas.

Ab Beginn der 1930er Jahre setzte sich in Europa der Dieselmotor als Antriebsquelle durch, während in Amerika noch einige Zeit auch Benzinmotoren zum Einsatz kamen. Bis in die 1960er Jahre hatten Traktoren eher geringe Motorleistungen, dafür jedoch hohe Drehmomente und stark untersetzte Getriebe. Moderne Traktoren weisen vielfach über 100 kW Leistung auf und können manchmal bis zu 80 km/h Geschwindigkeit erreichen.

Wegweisend in der Traktorenentwicklung waren auch die Erfindungen der hinteren Dreipunktaufhängung mit Hydraulik (Dreipunkthydraulik) durch Harry Ferguson und der Zapfwelle, die sich ab ca. 1960 allgemein durchsetzten. Somit wurde aus der landwirtschaftlichen Zugmaschine ein sehr vielseitig nutzbarer Geräteträger.


Quelle : Wikipedia